Vorwort

Verbraucher- und Gesundheitsschutz stehen auch 2024 im Zentrum der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Neben Untersuchungen zu mikrobiologischen Kriterien, Kontaminanten und Rückständen zeigt die Auswertung der aktuellen Jahresberichte der Länder, dass – wie bereits in den Vorauflagen – Fehler bei Kennzeichnung und Aufmachung in vielen Warengruppen den größten Anteil an den Beanstandungsgründen ausmachen, während tatsächlich gesundheitsgefährdende Befunde die Ausnahme bleiben. Für die Praxis bedeutet dies, dass Fragen der Information und Präsentation von Lebensmitteln im Vollzug eine mindestens ebenso große Rolle spielen wie klassische Sicherheitsaspekte.

Die Jahresberichte der Lebensmittelüberwachung liefern hierfür eine wertvolle Grundlage, sind für die tägliche Arbeit in Unternehmen, Beratung und Verbänden jedoch nur begrenzt handhabbar: Aufbau, Detailtiefe und Schwerpunktsetzung unterscheiden sich erheblich; relevante Informationen zu Kennzeichnung und Aufmachung sind häufig über zahlreiche Kapitel verteilt. Dieses Buch setzt genau hier an. Es wertet die Jahresberichte der Länder und den Bericht zum Bundesweiten Überwachungsplan für das Berichtsjahr 2024 systematisch aus mit dem Schwerpunkt auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln und stellt die Ergebnisse warengruppenbezogen zusammen. In Warengruppen, in denen Kontaminanten eine große Rolle spielen, sind auch diese mit in die Auswertung eingeflossen. Die Jahresberichte bilden dabei die zentrale Datengrundlage: Sie liefern teilweise quantitative Angaben (z. B. Probenzahlen, Beanstandungsquoten, Verteilung der Beanstandungsgründe), qualitative Informationen (typische Fehlerbilder, Fallbeispiele, behördliche Bewertung von Rechtsfragen) sowie Hinweise auf aktuelle Trends und Schwerpunkte – etwa zur Allergenkennzeichnung, zu veganen und vegetarischen Ersatzprodukten, zum Online-Handel und zu Social-Mediabasierten Vermarktungsformen oder zu Themen wie PFAS und Mykotoxinen. Da die Berichte sehr unterschiedlich strukturiert sind, wurden die Angaben für dieses Buch harmonisiert und – soweit möglich – auf die hier verwendeten Warengruppen übertragen. Der verwendete Sammelbegriff „Kennzeichnung/Aufmachung“ orientiert sich an der in vielen Ländern etablierten Auswertungssystematik, in der entsprechende Beanstandungen zusammengefasst werden.

Das Buch ersetzt die Originalberichte nicht, sondern versteht sich als praxisorientierte Ergänzung. Es stellt die kennzeichnungsbezogenen Beanstandungen in den Mittelpunkt, macht warengruppenübergreifende Muster sichtbar und ordnet die häufigsten Beanstandungsbilder in ihren lebensmittelrechtlichen Kontext ein. Ziel ist es, Unternehmen, Beraterinnen, Verbänden und Behörden die Möglichkeit zu geben, schnell zu erkennen, in welchen Produktsegmenten ein erhöhtes Risiko für Kennzeichnungs- und Aufmachungsfehler besteht und an welchen rechtlichen Stellschrauben im Tagesgeschäft angesetzt werden sollte, um Beanstandungen zu vermeiden.

Die 20. Auflage knüpft an die Grundkonzeption der Vorjahre an, wurde für das Berichtsjahr 2024 aber gezielt weiterentwickelt. Ein zusammengeführter Überblick zur Lebensmittelüberwachung in Deutschland und ein kompaktes Kapitel zu den Grundlagen der Lebensmittelkennzeichnung bilden den Rahmen für die nachfolgenden detaillierten Warengruppenauswertungen. Kapitel 3 folgt der 2024 aus den Berichten entnommenen Warengruppensystematik und verknüpft Probenzahlen, Beanstandungsquoten und typische Fehlerbilder mit den einschlägigen Rechtsquellen. Neue und verstärkte Schwerpunkte – etwa vegane/vegetarische Ersatzprodukte, Allergenkennzeichnung oder Social-Media-getriebene Werbung werden dort aufgegriffen, wo sie in den Jahresberichten 2024 besonders ins Gewicht fallen. Insbesondere für die Auswertung der Berichte und Strukturierung des Manuskripts wurde die KI Libratech für Juristen als assistierendes Werkzeug verwendet. Die inhaltliche und fachliche Verantwortung für den Text liegt vollumfänglich bei den Autorinnen.

Die Darstellung richtet sich an PraktikerInnen, die Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln rechtssicher gestalten oder bewerten müssen, und soll einen kompakten, an der Vollzugspraxis orientierten Zugang zu den tatsächlichen Schwerpunkten der Überwachung im Jahr 2024 bieten.

Mammendorf, Juni 2026

Bärbel Ines Hintermeier, LL.M & Franca Werhahn